Menschliche Kommunikation besteht nach SPERBERS Meinung darin, dass eine Person einer andere Person eine Bedeutung aufzeigt
Dies kann in verschiedener Art und weise geschehen — durch Gesten, Pantomime oder Sprache
Das fundamentale Prinzip liegt darin, dass der Empfänger die Bedeutung sowohl dem Signal als auch dem umgebenden Kontext entnimmt
(die Relevanz jeglicher Botschaft resultiert aus aus einem gemeinsamen Satz von Annahmen
So ist es z.b. entscheidend, dass der Empfänger weiss, der Sender wolle eine Bedeutung übermitteln; auch dass der Sender weiss, der Empfänger wisse dies; weiterhin, dass die Botschaft innerhalb des Kontextes der Kommunikation einen Sinn unabhängig von der Kommunikationsform ergibt)
bei KENEALLY

Wir sind soziale Geschöpfe
Wir kooperieren nicht nur mit unserer Nachkommenschaft, wir verhandeln Absprachen mit Personen, zu denen wir keine Verwandtschaftsbeziehung haben und Sozietäten werden geschaffen durch implizite soziale Verträge sowie durch Austausch und Verständnis
Wäre Sprache nur ein zufälliges Nebenprodukt, dann wäre es schon verwunderlich, warum sie sich so gut einpasst in all das, was uns zoologisch einzigartig macht
bei PINKER


Sprache
„dreifach ist die Leistung der menschlichen Sprache: Kundgabe, Auslösung und Darstellung“ — so lautet BÜHLERS Axiom seit 1920
in seiner ›SPRACHTHEORIE‹ (1934) nennt er dieses Axiom das ›Organon-Modell‹ der Sprache, in Anlehnung an einen platonischen Ausspruch, wonach die Sprache ein Werkzeug, ein Organon des Menschen sei
die menschliche Sprache habe nur diese drei Dimensionen, ebenso wie der Raum nur drei Dimensionen habe
an jedem konkreten Sprechakt sind nach BÜHLER diese drei verschiedenen Aspekte zu unterscheiden: als Symptom bezieht er sich auf den Sprecher, als Signal auf das Verhalten des Hörers und als Symbol auf Gegenstände und Sachverhalte
BÜHLER sieht in diesen drei Funktionen jeweils „Dominanzphänomene, in denen wechselnd einer von den drei Grundbezügen der Sprachlaute im Vordergrund steht“ „denn in jedem Satz der lebendigen Sprache und in jeder Flexionsform schneiden sich die drei Koordinaten“
allerdings hat die Darstellungsfunktion dabei den Vorrang
so gibt es Sätze, die auf die Ausdrucks- und Appellfunktion fast vollständig verzichten und die Darstellung in den Vordergrund stellen (etwa in wissenschaftlicher Prosa), doch gibt es keine sprachlichen Äußerungen, die eine Ausdrucks- und/oder Appellfunktion haben, ohne zugleich auch einen Nenn- oder Hinweischarakter zu haben
die Darstellungsfunktion reicht für BÜHLER genauso weit, wie man überhaupt sinnvollerweise von Sprache reden kann, selbst in Äußerungen, wo die beiden anderen Funktionen jeweils dominieren
nicht zur Sprache gehören dagegen das „zweckfreie Hervorbringen von Sprachzeichen im reinen All- oder Kombinationsspiel, Funktionsübungen des Stimmapparates oder des mechanischen Gedächtnisses“

eine andere Schwierigkeit besteht in der Verbindung und Abgrenzung der drei Sprachfunktionen (besonders von Darstellung und Ausdruck)
BÜHLER hat verschiedene Überlegungen dazu angestellt, ohne eine abschließende Formel zu finden
sind die Kundgabemittel von der Darstellung weithin unabhängig und folgen ihren eigenen Entwicklungsgesetzen?
oder ruhen sie nicht vielmehr auf dem Fundament der Darstellung auf?

„Ausdruck (Expression) und psychische Resonanz auf den Ausdruck, das ist bei allen sozialen Tieren eine Grundeinrichtung
so findet die gegenseitige Steuerung des sinnvollen Benehmens im gemeinschaftsleben der Tiere statt und diese grundeinrichtung fehlt auch im Sektor der Lautsprache keineswegs
nein, sie ist und bleibt auch beim sprechenden Menschen die Grundeinrichtung, gleichsam die Grundwelle der seelischen Kommunikation, und das spezifisch Menschliche, was ich beschrieben habe, dieses zeigen und symbolisieren, ist nur ein Überbau“
das ist gegenüber den früheren Äußerungen keine Infragestellung der Dominanz der Darstellungsfunktion, wohl aber eine stärkere Gewichtung von Ausdruck und Appell
konstant bleibt allerdings die Überzeugung, dass sprachliche Bedeutungen nur im Horizont der sozialen Beziehungen der Sprecher zueinander verstanden werden können
bei MEYER-KALKUS

KOMMUNIKATION INNERHALB DER AKTUELLEN ROLLE
die aktuelle Situation entspricht den üblichen Konventionen und schreibt den Teilnehmern ihnen bekannte Rollen zu, es gibt ein Gentleman‘s Agreement über Vorgehen und Art des gegenseitigen Verstehens
KOMMUNIKATION AUSSERHALB DER AKTUELLEN ROLLE
Verhalten in Krisenzeiten, wenn übliche Konventionen ausser Kraft sind, während Unterbrechungen der Standardsituationen bzw. wenn Informationen vermittelt werden müssen, die nicht dem Gentleman‘s Agreement entsprechen